Allein in der Stadt

Also an das Leben hier habe ich mich ja inzwischen gewöhnt und das es hier wirklich gefährlich ist, ist mir auch bewusst. Es gibt aber Tage, an denen wird es einem noch bewußter und frisch ins Gedächtnis gerufen. Ich habe mir z.B. angewöhnt immer wenn ich irgendwo bin nicht mehr den Leuten ins Gesicht zu gucken, sondern als erstes direkt auf die Hüften, um zu sehen ob sie nicht evtl. eine Waffe unter dem T-Shirt tragen. Wenn ich das jetzt gerade nochmal lese, denke ich sogar selber…. man man man, was man sich hier so angewöhnt.

So also der 27.04.07, Ich war in der Stadt, um in den Musikläden zu gucken ob ich nicht ein Stage Piano finde, was ich einigermaßen günstig schiessen kann. Hab auch das einie oder andere gefunden, aber nichts unter R$ 1400 (€ 512). Dazu aber später mehr.

Nachdem ich mit dem gucken Fertig war, bin ich noch etwas durch die Stadt gegangen und musste feststellen, dass mir einige Orte dort auch nicht so ganz geheuer waren, aber war noch im Rahmen. Nun war ich in der Nähe vom Marco Zero (sowas wie der Mittelpunkt vom Staat Pernambuco) und musste noch zur Livraria Cultura (Buch und CD Laden). Habe mir also überlegt wie ich am besten dahin komme und dachte, oh nee, den normalen Weg nimmst du nicht, der ist ja ewig lang…. also habe ich eine meiner berühmten Abkürzungen ausprobiert  (eine die ich nicht kannte) mir war nur die Richtung bewußt, in die ich musste, also bin ich in eine Seitenstrasse eingebogen, um weg zu sparen. Nach etwa dem zweiten Mal einbiegen war ich auf einmal in einer ziemlich armen Gegend und die Leute waren auch ganz anders als auf den normalen Strassen. Ich habe dann so langsam aber sicher riesen Schiss bekommen, denn es schien als war ich in einer Art mini Favela (Ghetto) gelanded. Die Leute haben mich alle extrem komisch angeguckt und sehr laut geredet bzw. irgendwelche Geräusche gemacht. Ich habe ab dem Moment nur noch auf den Boden geguckt, allerdings auch immer unauffällig auf die Hüften der Leute geachtet, ob sie bewaffnet waren. Ich dachte auch bei einigen Pfiffen, dass einer dem nächsten damit signalisiert, dass er mich ausnehmen soll. Ich hatte echt eine Angst, die ich bis dahin so nicht kannte. Dann war ich auch schon in der nächsten Gasse gelanded, dort kamen mir dann zwei Frauen und ein Mann entgegen, die mich ununterbrochen komisch angeguckt haben… ich dachte echt das nun meine Stunde geschlagen hat. Zum Glück sind sie echt nur an mir vorbei gegangen und danach nur noch einmal abbiegen und ich war bei meinem Buchladen. Also eine Abkürzung war es wirklich…. aber um welchen Preis?

In dem Laden hab ich erstmal Gott gedankt und musste meinen Puls wieder runterfahren. Das Geburtstagsgeschenk für Mula habe ich dann auch gleich gekauft und der Verkäufer meinte, dass ich ein echter Glückspils sei, die CD ( Stephen Marley) war erst zehn Minuten vorher eingetroffen.Nun zu dem Klavierkauf. Ich hatte mir also einige Geräte angeguckt und die, die ich vorher im Internet schon angesehen hatte, waren alle nix für mich. Mein Preislimit hatte ich mir auf R$ 1500  gesetzt. Habe dann alle Läden dort abgeklappert und erst im letzten habe ich ein Gerät gedunden, welches beim ersten Blick und spielen optimal schien und Preislich sogar R$ 1350 kostete. Ich habe mir jenes also dann für Samstag zurücklegen lassen, um es dann mit Mestre Birilo auf Raten zu kaufen. Freitag Nacht habe ich mich dann im Internet Schlau gemacht und herausgefunden, dass das Gerät wohl relativer Schrott ist, also habe ich wieder in Laden eins geguckt was es da noch so gibt. So langsam hatte ich meine Erwartungen ziemlich hoch geschraubt und unweigerlich auch mein Limit. Nun war ich schon bei R$ 2000 angelangt. Nun hatte Laden Nr. eins auch ein paar Geräte, welche für diesen Preis zu haben waren, aber nur eines, welches einem echten Klavier wirklich nahe kam und das hatte keine Lautsprecher oder eine dazugehörigen Ständer und hat R$ 2070 gekostet. Aber genau dieses Gerät hatte alles was ich wollte. (88 gewichtete Tasten mit Hammermechanik und 64 stimmige Polyphonie) das waren meine Kriterien für die Auswahl. Also hatte ich mich schnell in das Piano verliebt und wollte es haben. Das Problem war nun aber, dass ich dazu noch Lautsprecher und einen Ständer brauchen würde. Der billigste Guitarrenverstärker war bei R$ 168 und klang sowas von schrecklich, dass  ich mir gesagt habe, gut, dann muss ich wohl wirklich mit Kopfhörern spielen.

Kopfhörer hatte er mir dann auch gebracht und der Klang war gut, wie auch das Spielgefühl auf dem Gerät. Ich meinte dann gleich zu ihm, gut ich brauche nun noch einen Keyboardständer und will für alles zusammen einen guten Rabatt, weil ich ja viel geld da lasse. Der Verkäufer hat auch gleich erwiedert, dass wir das bestimmt hinbekommen. Zusätzlich habe ich mich dann noch für eine Bank entschieden, damit ich auch beim Üben die richtige Sitzhöhe habe (sehr wichtig).

Preise:

  • Piano                 2070,29 R$
  • Kopfhörer             65,18 R$
  • Sitzbank                 45,80R$
  • Ständer                  43,74 R$

Total:                  2225,01 R$

Ich hab ihm dann gesagt, dass er nun einen Guten Rabatt geben soll. sein erstes Angebot war 2190,00 R$. Meine Antwort war dann, dass da aber sicher noch einiges mehr geht….. zweites Angebot 2150,00 R$, ich wollte aber immernoch mehr, dann hat er am Ende gesagt, OK 2100,00 R$ aber mehr geht nun wirklich nicht….. das habe ich dann auch genommen. Habe also den ganzen zubehör für 30 R$ ( 11€) bekommen. Das nenne ich doch mal ein Schnäppchen und der Verkäufer, welcher übrigens eine echt cooler Typ war, hat mir , als wir alles zum Auto getragen haben sogar angeboten mir im September/Oktober beim verkauf zu helfen.

Der Grund warum ich mir nämlich nun ein Piano gekauft habe ist der, dass ich mal durchgerechnet habe, was mich das Üben in der Musikschule mit Fahrt und Essen in den nächsten 5 Monaten kosten wird und da bin ich auf einen gut höheren Betrag gekommen, als wenn ich das Piano kaufe und am Ende meiner Zeit hier wieder verkaufe. Zweiter Pluspunkt, in der Schule konnte ich mir nur etwa 12-16 Übungsstunden die Woche leisten und musste mich auch an die Zeiten halten. Jetzt habe ich aber ein Piano zu Hause und kann üben wann ich will… was ich auch schon gut ausgenutzt habe. Also habe ich im Prinzip 2 Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Mehr Übezeit und weniger Geld. Hinzu kommt sogar noch Nr.3 und 4, nämlich dass ich bei Regen nicht mehr zu Musikschule muss und klitschnass dort ankomme, wie es schon ab und an war und ich bin nicht mehr der Gefahr ausgesetzt abends um 18h oder später in der Stadt an gefährlichen Ecken sein zu müssen, um den Bus zu nehmen. Rund um ein super Geschäft für mich !!

Ventilator Kauf.
Vor einiger Zeit ist mein Ventilatorkaputt gegangen und ich mussteknapp eine Woche ohne auskommen….(das ist wirklich fast nicht zu ertragen). Nun bin ich dann also in die Stadt losgezogen und habe mir in zig Läden Ventilatoren angeguckt und Preise verglichen. Kurz gefasst, der den ich letztendlich gekauft habe, hat in allen Läden über 75 R$ gekostet.. nun hatte ich aber keinen Bock soviel auszugeben, aber ich wollte ich nicht so ein Gerät haben, welches nichtmal ein kleines Lüftchen erzeugt. Also bin ich nach einer ganzen Weile in einen Laden zurück und meinte, dass der gleiche Ventilator, da wo ich wohne nur 63 R$ kostet.. war natürlich eine riesen Lüge, aber ich wollte mal sehen was ich so rausschlagen kann und tatsächlich, sie ist bis auf 66 R$ runtergegangen. Also wenn ich eines hier gelernt habe ist es Handeln und nur selten zum angegebenen Preis kaufen. (diese Geschichte ist lange vor dem Piano gewesen.)

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Veröffentlicht von

pimdog

I am a self taught polyglot who also plays the piano. I enjoy the complex games of poker and chess. After studying at the University of Hamburg for over a decade I have now dedicated his life to the art of learning and spirituality.

2 Gedanken zu „Allein in der Stadt“

  1. Pingback: Sparen advies

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